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Ambition und Leidenschaft – Ein Interview mit Pribe


Viele junge Künstler haben den Traum eines Tages auf der großen Bühne zu stehen und ihre eigenen Tracks vor dem Publikum zu spielen. Doch nur den talentiertesten und fleißigsten gelingt eines Tages auch der Durchbruch. Davon träumte auch der damals noch 16-jährige Tim Weise aus Hamburg, der heute besser bekannt ist unter seinen Künstlernamen „Pribe“ und „ReeZpin“, nun 14 Jahre älter ist und von sich behaupten darf, schon auf bekannten Festivals wie der Airbeat One, Indian Spirit oder dem Psychedelic Circus aufgelegt zu haben. Letzteres entfachte im Jahr 2009 seine Leidenschaft für Progressive Trance – und die ermöglichte es Tim, seinen Traum zu leben.


Hey Tim. In deiner Biografie betitelst du dich selbst als „musikalischer Quereinsteiger“. Du hast im Alter von 16 Jahren mit dem Produzieren von Trance und House begonnen. Würdest du sagen, dass das der Beginn deiner Musikkarriere war?

Hi Denise, erstmal vorab: Vielen Dank für das Interview.

Absolut! Schon mit 16 wollte ich DJ werden. Ich bin in Sandesneben, einem Dorf in Schleswig-Holstein, aufgewachsen. Dort gab es bis auf Scheunenfeten nicht viele Alternativen. Durch einen Kumpel habe ich damals einen DJ kennengelernt, der auf diesen Feten aufgelegt hatte. Daraufhin kaufte ich mir ein paar riemenangetriebene Plattenspieler, einen einfachen Mixer und fragte den besagten DJ, ob er mir das Auflegen beibringen könne. Prompt erhielt ich ein paar Stunden Training im Mixen von Vinyls. Anschließend nahm er mich dann direkt mit auf die Bühne. In dem Sinne: Danke Alex Schumacher! Schnell merkte ich allerding, dass Schlager und Oldies nicht so ganz mein Ding sind. Am meisten Spaß hatte ich bei den damaligen Dance- & Trance-Scheiben, wie Cosmic Gate, Kai Tracid oder DJ Dean. Auch konnte ich mit dieser Musik einen besseren Vibe auf den Floor transportieren.  Allerdings wurde mir das reine Mixen von bestehenden Songs schnell zu langweilig. Daher entschied ich mich mit dem Produzieren anzufangen. Jahrelang war ich also im Trance Bereich unterwegs und habe alles mitgenommen was man so mitnehmen konnte.

2011 hast du dann Progressive Trance für dich entdeckt. Wie ist deine progressive Passion entfacht? Was war deine erste Party und vor allem – was macht Progressive Trance für dich besonders im Vergleich zu Trance und House?

Meine erste reine Party in diesem Bereich war das Psychedelic Circus Festival. Ich hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung. (lacht) Damals wie heute war ich fasziniert von dem bunten Trubel und der Energie auf solchen Events. Zugegeben waren diese Festivals und Partys in der Vergangenheit familiärer, viel kleiner und das Besucherprofil war eher alternativ geprägt.  Es war und ist teilweise heute noch, wie eine Parallelwelt. Eine individuelle Subkultur mit eigenen Werten. Nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Festivals. Besonders der Progressive Trance hatte es mir damals angetan. Da ich aus dem normalem Trance-Bereich kam, liebte ich große Melodien und epische Flächen. Genau dies fand ich im damaligen Progressive Trance bei Künstlern wie Neelix oder Day.Din. Allerdings waren die Mainparts viel kräftiger, aufbauender und treibender als im Uplifting- / Commercial-Trance Bereich. Genau diese Kombination gefiel mir richtig gut! 

Mit welcher Produktion konntest du letztendlich durchstarten und was glaubst du war der ausschlaggebende Grund für den plötzlichen Erfolg?

Von einem Durchstarten kann man erst nach meiner Single „The Light“ aus dem Jahr 2015 auf Audioload Music sprechen. Die Scheibe war bis vor Kurzem mein erfolgreichster Song. Ich denke der Song war so erfolgreich, da ich genau den von mir oben beschriebenen Stil wiedergeben konnte und einen Nerv in der Szene getroffen habe.  Zusätzlich sind die Vocals auch wirklich einprägend. (lacht)

Was folgten in den darauffolgenden Jahren für musikalische Etappen?

Es folgten zahlreiche Gigs im In- und Ausland. Ein besonderes Highlight war es auf dem Psychedelic Circus aufzulegen. Gerade auf dem Festival wo alles begann. Aber auch die Indian Spirit oder die Airbeat One waren große Etappen für mich. Es war und ist immer noch ein großartiges Gefühl meine Musik und meine Ideen einem immer größer werden Publikum vorstellen und auf solch großen und namhaften Events performen zu dürfen. Besonders hängengeblieben ist allerdings auch ein kleinerer Gig in Lyon. Da war wirklich ein cooler Spirit auf dem Dancefloor. Die Leute sind regelrecht explodiert vor Energie. 

Auch folgten Kollaborationen mit Künstlern wie Arnox oder Kleysky. Zusammengefasst alles Punkte, die mich persönlich und auch meine Entwicklung als „Pribe“ geprägt haben.

Wie nimmst du deine persönliche Entwicklung innerhalb der letzten Jahre wahr?

Mir persönlich fällt das gar nicht so sehr auf. Ich sehe mich schließlich jeden Tag. (lacht) Allerdings entnehme ich dem Feedback meiner Hörer und Musikerkollegen, dass die Soundqualität meiner Produktionen anscheinend doch stark zugenommen hat. Früher habe ich mir immer vorgestellt, wie meine Musik auf dem Dancefloor ankommt und dementsprechend produziert. Mittlerweile stecke ich allerdings viel mehr Emotionen in meinen Songs und versuche damit Gedanken und Gefühle zu transportieren. 

Wie hat sich dein Leben verändert seit du angefangen hast, Musik zu produzieren?

Das ist eine lustige Frage und gar nicht so einfach zu beantworten. Musik ist schon fast mein halbes Leben ein fester Bestandteil von mir und meiner Persönlichkeit. Klar bin ich mehr unterwegs, sehe mehr von Welt und treffe auf interessante Menschen und andere tolle Künstler. Man wird plötzlich auf der Straße erkannt, angeschrieben und von Fremden nach Selfies gefragt. Vollkommen verrückt. Ich weiß aber schlichtweg nicht, wie es anders verlaufen wäre, wenn ich nicht mit dem Produzieren angefangen hätte. Für mich war es, wie schon beschrieben, ein logischer nächster Schritt. Als reiner DJ hast du zwar die Möglichkeit Menschen zu bewegen und bestehenden Tracks begrenzt deinen Stempel aufzudrücken. Aber dem transportieren deines eigenen Vibes sind definitiv Grenzen gesetzt. Ich bin dankbar dafür, dass ich meinen Traum leben darf und bin jedes Mal wieder geflasht davon, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, die Menschen auf den Floor mit meinem eigenen Sound bewegen zu dürfen.

Was war der schönste Moment in deiner Musikkarriere?

Da gab es einige. Wie gesagt jeder Gig ist für sich besonders und schön. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir allerdings drei Ereignisse. Mein Auftritt letztes Jahr auf der Airbeat One war einfach gigantisch. Sonnenuntergang im Nacken und ein mit fröhlichen Gesichtern komplett voller, durchdrehender Floor vor mir. Das war bis dato mit Abstand das schönste Set in meinem Leben. Nicht zu beschreiben. Wenn ich daran denke bekomme ich immer noch Gänsehaut. Außerdem hat mir neulich ein Veranstalter während meines Sets, einen Zettel von einer Frau gegeben, die sich für meine Musik bedankt und geschrieben hat: „Schön, dass du da bist“. Das war wirklich süß!

Und natürlich das Interview mit dir und dem Faze Mag! Da geht ein Traum in Erfüllung! Danke, Denise!

Dein zweites Projekt ist „ReeZpin“. Was ist die Entstehungsgeschichte hinter diesem Projekt und mit welchen Alias legst du lieber auf?

Das Projekt ist entstanden, weil ich einfach Lust auf härtere, psychedelischere Musik hatte. Wer meine beiden Projekte kennt, weiß, dass die musikalisch 0 zusammenpassen. Daher musste einfach ein neuer Alias her. Ob ich nun lieber als Pribe oder ReeZpin auflege kann ich nicht genau sagen. Es kommt immer stark auf meine Gefühlslage an. Manchmal brauche ich härteren Psytrance und manchmal stehe ich auf Progressive. Auch ist es mir wichtig mich weiterzuentwickeln. Nicht stehen zu bleiben. 

Ich bin einfach Musiker und mache das, wodrauf ich gerade Lust habe. Ich denke gerade das macht allgemein elektronische Musik aus. Mach das, wodrauf du Lust hast und lass dich treiben. Mal schauen wo es mich in Zukunft noch hintreibt. Selbst wenn dabei Techno rauskommt. 

Du warst bis vor kurzem bei Upward Records unter Vertrag. Jetzt öffnet sich für dich ein neues Kapitel in deiner Biografie: Spin Twist Records. Herzlichen Glückwunsch dafür! Wie kam es dazu?

Vielen Dank Denise. Für mich ist jeder Release von hoher Bedeutung und ich bin dankbar dafür, dass Labels wie Upward Records an mich geglaubt haben und mir ein Stück weit den Weg geebnet haben und es noch tun. Der Release auf Spintwist ist ein riesen Meilenstein in meiner bisherigen Entwicklung und an Bedeutung für mich persönlich kaum in Worte zu fassen. Wer sich in einem Genre bewegt, kann mich sicherlich verstehen. 

Durch meine Releases auf Audioload-Music, ein Sublabel von Bluetunes Rec. und Spintwist Rec., habe ich Hannes und Claudia kennengelernt. Seitdem habe ich immer mal wieder an die Spintwist Tür geklopft und die ein oder andere Produktion hinterlassen. Und plötzlich kam eine Mail: „Fette Nummer. Lass machen, Tim!“ Da hat mein Herz direkt gelacht und tut es immer noch.  Zukünftig wird es allerdings auch weiterhin Releases auf anderen Labels geben.

Welche Musikprojekte stehen noch offen, die demnächst auf Spin Twist veröffentlicht werden?

Zu allererst wurde meine Single „You Are Beautiful“ und „Chop Suey“ auf Spin Twist veröffentlicht. Darauf habe ich mich nicht ausgeruht. Es sind einige neue Produktionen in der Pipeline die bereit zum Release sind. Lasst euch einfach überraschen! 

Die Festivalsaison steht schon in den Startlöchern. Welche Auftritte sind 2019 in deinem Festivalkalender markiert?

Bislang durfte ich auf der Stampfnacht und dem Summer Dream Festival spielen. Außerdem arbeite ich gerade mit meinem Management Woodmore zusammen an zwei großen Touren auf der anderen Seite des Planeten.

Was glaubst du, wie sich die Szene noch verändern wird und wie siehst du deine persönlichen Chancen in ihr?

Wer die letzten Jahre verfolgt hat, hat mit Sicherheit mitbekommen, dass die Szene sich stark gewandelt hat. Speziell in Deutschland ist sie förmlich explodiert. Vor ein paar Jahren war nicht mal daran zu denken, dass ein Psytrance-DJ auf den großen Mainstages auflegt. Wenn überhaupt gab es eine 2nd Stage mit überschaubarem Publikum. Das hat sich komplett geändert. Die Musik ist massentauglicher geworden. Aber auch die Festival-, OpenAir- und Clubbesucher suchen nach Abwechslung. Nach einer Möglichkeit für einen Moment loszulassen, dem immer schneller werdenden Alltag zu entfliehen, Energie zu tanken und ein friedliches Miteinander zu erleben. Dies ist, meiner Meinung nach, in kaum einem anderen Genre so möglich wie im Psytrance. Auch schwingt hier ein gewisses Lebensgefühl mit. Meiner Meinung nach, wird die Szene in unserer Gesellschaft noch mehr wachsen und Akzeptanz finden. Wir stehen hier erst am Anfang.

Wer nach Brasilien oder Israel schaut weiß wovon ich rede. Dort ist Psytrance allgegenwärtig. Ich hoffe, dass wir das hier in Deutschland auch in der Form erleben werden und somit möglichst vielen Menschen das Magische an der Musik näherbringen können. Kunst ist für alle da und nicht nur für einen ausgewählten Kreis. Ich persönlich bin glücklich darüber, dass ich ein teil dieser Entwicklung sein darf und sehe die Chance als „Pribe“ aber auch als „Reezpin“ mit zu wachsen.


SoundCloud: https://soundcloud.com/pribe_official
SoundCloud: https://soundcloud.com/reezpin

Beitragsbild: Jonas Albrecht

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