Share on facebook
Share on twitter

Wenn Energie auf Leidenschaft trifft – Ein Interview mit Fabio Fusco


Jeder, der Fabio Fusco kennt, weiß, dass es in Deutschland wohl keinen energetischeren Künstler hinter den Decks gibt, wenn es um treibenden Progressive Trance geht. Der Hamburger war vor seiner Künstlerkarriere erfolgreicher Profiskater und hat für seine Leidenschaft die Karriere als Skater an den Nagel gehangen. Seit 1996 ist der 37-Jährige musikalisch aktiv und beweist mit neuen Produktionen wie „Make The Difference“, „The Way You Move“ oder „Your Infinity“ , dass es bei ihm vor allem eines niemals geben wird: Stillstand. Denn dafür hat der Italiener viel zu viel Feuer im Blut. 


Hallo, Fabio. Erstmal tausend Dank für das Interview. Es ist für mich eine Riesen Ehre mit dir sprechen zu können, weil du definitiv der Artist bist, der am meisten Energie hinter den Decks aufbringt und mich mit seinen energetischen Produktionen enorm in den Bann zieht. Woher nimmst du diese Energie immer und wird dir das Auflegen nicht langsam langweilig? Man könnte ja meinen, dass es manchmal eintönig und vor allem auch anstrengend sein kann, wenn man in manchen Locations oder Städten öfter spielt und so viel unterwegs ist…

Hey, vielen lieben Dank erstmal für deine netten Worte und so viel Mühe für deine Recherchen! Ja, woher nehme ich die Energie…Ich bin von Natur aus ein sehr sehr aktiver Mensch und manchmal (oder immer, wie meine Freundin sagen würde) etwas hektischer, als der Rest. Daher fällt es mir leicht, ich selbst zu sein. Das Auflegen wird mir definitiv nicht langweilig. Jede Party und jeder Floor hat eine andere Stimmung, anderes Verhalten, andere Vibes. Jede Stadt und jedes Land überrascht mich immer wieder aufs Neue. Deshalb bin ich auch immer noch mit Herz und Seele dabei. Und was man aus Leidenschaft macht und nicht nur wegen des Geldes, hat eh eine andere Gewichtung.

Wie nimmst du als Künstler, der schon einiges gesehen hat in seiner Karriere, die Veränderung der Szene war? Immerhin warst du schon im Jahr 1996 auf deiner ersten Goa-Party und hast danach angefangen, selbst aufzulegen und zu produzieren.

Die ganze Welt lebt von Veränderungen. So auch unsere Szene. Ich finde es gut, dass sich unsere Musik mehr und mehr ausbreitet und es eine Menge Leute mittlerweile anspricht. Das liegt aber auch daran, dass die komplette elektronische Musikindustrie wächst. Natürlich kommen mehr und mehr junge Leute zu uns. Früher war es noch ein sehr familiärer Kreis, den ihr aber alle auch höchstwahrscheinlich nicht kennt. Ich rede von den Anfängen der Goa Szene, um die 2000er. Da waren noch überwiegend Hippies auf den Festivals und Partys. Ich war damals einer der jüngsten, der schon da oben stand und Musik gemacht hat, deshalb blicke ich auf die Entwicklung eher positiv.

Durch mein Interview mit Naturalize bin ich auf deinen Track „Just Cool“ mit deinem zweiten Partnerprojekt „Bitmonx“ aufmerksam geworden, allerdings war es nicht so einfach den Track im Netz zu finden. Schließlich habe ich ihn in einem Set von Captain Hook auf YouTube gefunden. Nach dem Hören wurde mir bewusst, dass ich den Track auf jeden Fall schon öfter mal live gehört habe in deinen Sets. Wie steht es um dieses Projekt?

Ich arbeite zur Zeit an einer Menge neuer Tracks mit meinem Partner Sascha Haske. Ich denke, die werden auf jeden Fall demnächst veröffentlicht. Tatsächlich denken wir auch an ein neues Album! Mal schauen, wo es uns hintreibt! Wir lassen alles ganz entspannt auf uns zukommen.

„Just Cool“ hast du nie veröffentlicht, genauso wie deinen Track „Somebody To Love“, bei dem die Crowd immer regelrecht am Rad dreht, wenn du ihn live raushaust haha. Hattet ihr Probleme mit den Rechten oder willst du manche Tracks bewusst nicht veröffentlichen, damit sich die Leute bei deinen Auftritten mehr darüber freuen können? 

Beides. Einmal ist es ein Problem mit den Rechten. Mein Labelchef Hannes Klitta von Spin Twist Records und ich haben mal versucht die Rechte zu bekommen, nur leider wussten sie bei Sony auch nicht mehr, wo diese genau liegen. Aber veröffentlichen durften wir es auch nicht. So bleibt es ein Live-Show-Gimmick.

Bewegt man sich bei Remixen von gewissen Tracks auf heißen Kohlen? Kann man da mit großen Strafen rechnen, wenn man einfach andere Tracks für eigene Produktionen nutzt?

Wenn man einen inoffiziellen Remix macht, bewegt man sich immer auf heißen Kohlen. In Deutschland und Umgebung zumindest, wo das rechtlich geschützt ist. Aber solange du ihn nicht veröffentlichst oder für Werbung nutzt, sollte es schon gehen. Free Downloads darf man auch damit nicht machen, wenn man es genau nehmen würde. Gerade jetzt, wo unsere tolle Regierung das Kapitel 13 Gesetz rausbringen musste. Was ich aber anmerken muss: Ich benutze fast ausschließlich nur die Vocals. Die Produktionen sind komplett meine.

Wie sieht generell so ein Produktionsverlauf bei dir aus von der Idee, über die 
Produktion bis hin zur Veröffentlichung und der Promo?

Also es fängt damit an, dass ich fast jeden Morgen unter der Woche zum Studio fahre – so wie ihr auch zum normalen Job geht – und nach Ideen suche oder bereits fertige Ideen umsetze. Da ich vielseitig musikalisch interessiert bin, sammele ich verschiedenste Einflüsse und setze diese um. Ich versuche immer ein Konzept in meine Tracks einzubauen, was eine Wiedererkennung schafft. Seit einigen Jahren versuche ich das viel stärker, da man sich ja weiterentwickeln muss. Natürlich ist es schwer das Rad neu zu erfinden, weil man alles irgendwie schon mal gemacht hat, besonders nach 20 Jahren Erfahrung. Aber wenn der Track mal fertig ist, geht er zum Mastering. Das machen meine Freunde vom Chaos Compressor Club, die auch Neelix’ Sachen mastern. Währenddessen entsteht das Cover und das drum herum, was meine wunderbare Freundin Kristina (@festival_soul) für mich macht. Danach geht es zum Label, wo auch noch sehr viel passiert. Davon habe ich aber keine Ahnung.

Im letzten Interview für’s Faze Magazin hast du bereits schon einige deiner Favoriten in Sachen Soft,- und Hardware verraten. Du sagtest, dass du gerne „mit dem Moog Voyager, Moog Sub 37Dave Smith Prophet 6 und Thermionic Culture Vulture Hardware Distortion arbeitest. Bei der Software: Sylenth 1, Massive, Diva, Arturia Bundle und UAD-Karte.“ Hat sich an deinem Equipment etwas geändert?

An meinem Equipment hat sich wenig geändert. Das Interview ist ja auch erst zwei Jahre her.  Ich habe mir einen neuen Wandler gekauft, um die beste Qualität rauszubekommen. Zwei Hardware Kompressoren, einen 1176, LA-2A und einen Hardware EQ (Pultec), sonst ist soweit alles gleich geblieben. Ach und die Pioneer Player, aber das ist kein Studio Equipment. Was allerdings auf meiner Wunschliste steht, ist eine andere Frage und diese wird immer länger! (lacht) Ich könnte jeden Tag shoppen, wie die Frauen! Aber mein Studio hat nicht so viel Platz im Moment. Leider.

Vor kurzem durften deine Follower auf Instagram unter einem Posting Namen für deine neue EP vorschlagen. Kaum zu glauben, dass „Make The Difference“ wirklich ein Vorschlag von mir war. Als die Entscheidung fiel und du mich in deiner Story markiert hast, hab ich mich gefreut wie ein kleines Kind. Ist es manchmal sehr schwer Namen für neue Tracks zu finden?

Wenn ich ehrlich bin, würde ich die Tracks so veröffentlichen, wie sie angelegt sind, würden sie Blibb Blubb, Klaus Dieter oder eben Polka Michel heißen. (lacht) Deswegen haben wir mit den Votings angefangen. Und die positive Reaktion darauf hat uns angespornt das öfters mal zu machen. So habt ihr auch mal die Möglichkeit ein wenig an den Projekten teil zu haben und nicht nur dazu zu feiern! Hier nochmal vielen lieben Dank an alle!  Ja und deiner ist es dann geworden. Wir hatten die vier besten rausgesucht und abgestimmt habt ja ganz allein ihr! Man konnte es auch nicht beeinflussen, denn es hatten echt viele mitgemacht. Das wäre nicht möglich zu manipulieren. Und wir sind mit dem Namen mehr als zufrieden. Passt absolut!

Ich persönlich bin ja auch ein enormer Fan von deinem eben erwähnten Partnerprojekt „Bitmonx“. „Give Me Some More“ und „Who Would You Call“ als Bitmonx Remix sind einfach zu nice Tracks. Mit wie vielen neuen Tracks können wir zum jetzigen Standpunkt rechnen?

Wie oben schon erwähnt, ja es kommt definitiv einiges. Sascha ist sehr in seinem Job eingespannt, deshalb dauert es ein wenig. Sieben Tracks sind aber so gut wie fertig.

Legst du lieber zu zweit als „Bitmonx“ oder „Fabio & Moon“ oder solo als „Fabio Fusco“ auf?

Am liebsten spiele ich natürlich alleine, da ich die Musik besser präsentieren kann, die ich gemacht habe. Das macht mir am meisten Spaß. Als ich jünger war, war es noch anders, aber man bleibt ja nicht stehen.

Du bist in letzter Zeit häufiger alleine unterwegs und nicht mehr zusammen mit Benni als „Fabio & Moon“. Werdet ihr in Zukunft wieder häufiger zusammen auflegen und produzieren?

Nein, das Projekt gibt es nicht mehr. Wir hatten einfach nicht das gleiche Ziel vor Augen. Benni war sehr mit seinen Events und anderen Sachen (Tiny House) beschäftigt und hatte keine Zeit dafür. Außerdem ist Benni nur DJ und kein Produzent, deshalb wird es nichts mehr von Fabio & Moon geben.

Welche Solo-Projekte sind noch in Planung nach deiner letzten EP „Make The Difference“ und „Your Infinity“? Vor Kurzem hat deine Freundin Kristina über Instagram Einblicke gewährt in neu auflebende Techno-Produktionen?

Es sind erstmal keine weiteren Projekte geplant. Ich werde mich erstmal voll und ganz um „Fabio Fusco“ kümmern. Ja, ich mache schon ganz ganz lange Techno, eher Techhouse! Unter dem Projekt „Laika & Strelka“ ist jetzt vor kurzem ein Album rausgekommen namens „Changeover“. Allerdings haben wir unser Projekt umbenannt in „Art Factory“, da bei diesem Namen immer wir beide erscheinen müssen und ich bin immer sehr viel unterwegs, was es unmöglich macht immer gemeinsam aufzulegen. Als „Laika & Strelka“ haben wir sogar schon im Katerblau und Sisyphos und in der Schweiz, in Dänemark, in Schweden und in Brasilien (sogar auf der Universo Paralello) gespielt. Das lief schon gut an, aber mein Projekt ließ es halt zeitlich nicht zu.

Lustigerweise habe ich die Anique, mit der du die Vocals für deine EP „Your Infinity“ aufgenommen hast, auf dem Sea You Festival 2017 auf dem Raumklang-Floor kennengelernt. Woher kennt ihr euch und wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Ja lustig, wie klein immer wieder die Welt ist. Die bezaubernde Anique habe ich über das Ausschreiben auf Instagram kennengelernt. „Suche Sänger…“ Daraufhin hat uns ein Freund aus Berlin eine Demo von ihr geschickt und ihren Kontakt weitergeleitet. Den weiteren Verlauf könnt ihr euch wahrscheinlich denken. Ich bin ein großer Fan von ihrer Stimme. Sie hat sowas Kindliches in der Stimme. Das mag ich super gerne!

Dein letztes Album „Therapy“ liegt nun schon fast zwei Jahre zurück. Wird es demnächst nochmal ein ganzes Album von dir geben oder magst du das EP-Format lieber mittlerweile? 

An einem Album arbeite ich zur Zeit nicht. Obwohl ich locker zwei Alben sofort veröffentlichen könnte. (lacht) Aber so ein Album ist auch immer ein Stück Seele von Einem. Und eine verdammt harte Arbeit. Dieses Jahr werden nur EPs erscheinen und im nächsten denke ich auch.

Was steht bei dir im Endspurt des Festivalsommers noch auf dem Plan und worauf freust du dich am meisten? 

Gut, erst Anfang September ging unsere Festivalsaison zu Ende mit dem krönenden Abschluss auf der Indian Spirit. Du standest doch auch da in der ersten Reihe, wie ich gesehen habe… hierfür muss ich mich auch nochmal bei allen bedanken, die die Festivals mit mir durchgerockt haben. Und zwar sehr fleißig in diesem Jahr. (lacht) Kann euch gar nicht genug danken! Am meisten freue ich mich jetzt auf meine zweimonatige Thailand-Auszeit. So ein DJ-Leben kann einen schon sehr auslaugen, wenn man viel Reisen muss. Dort kann ich meinen Kopf ausschalten, alles Revue passieren lassen und neue Ideen für 2020/2021 sammeln. In diesem Jahr werden auch bestimmt 15-20 Freunde und Bekannte da sein. Ich konnte mein Zuhause sozusagen mitnehmen. In Thailand werde ich auf vier Halfmoon Partys spielen. Vielleicht sehe ich ja den ein oder anderen von euch dort!

Wenn du es in ein paar Worten beschreiben müsstest, was dir die Szene und die Musik bedeuten, welche würdest du wählen?

Musik ist mein Leben und ich bin dankbar ein Teil der Szene zu sein. Wir sind hier, um frei zu sein und Spaß zu haben, also lasst uns das auch tun!


SoundCloud: https://soundcloud.com/djfabio
Spotify: https://open.spotify.com/artist/74QIWYXbKeKNYmdHB3nRJ7?si=0JMydDI8TYGS9j2tM7EuuQ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit bestätige ich die Datenschutzbestimmungen.

Entdecke mehr

WEITERE BEITRÄGE