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Über die Lehren eines Künstlerlebens – Ein Interview mit Chrizzlix


Christian Wachsmuth alias Chrizzlix produziert Psytrance seit acht Jahren und ist Labelmanager und Mastering Engineer von Sun Department Records. Der 27-Jährige kommt aus der Psytrance-Hochburg Hamburg und war schon auf Festivals wie dem Indian Spirit oder Psychedelic Circus zu Gast. Durch sein Bachelor-Studium im Bereich Audio-Production und seine Arbeit als Toningenieur in einem namhaften Tonstudio ist er heute Experte, wenn es um perfekten Sound in der Musik geht. Wie ihm sein beruflicher Werdegang bei seinen Produktionen hilft und was seine größten Lehren als selbstständiger Künstler und Labelmanager sind, erzählt der Hamburger im Interview.



Hey, Chris. Du hast Sun Department Records 2013 gemeinsam mit Psyfonic ins Leben gerufen. Erzähl doch mal, wie es zu dieser Entscheidung kam und wie bei euch die Rollenverteilung aussieht. Nach welchen „Kriterien“ entscheidet ihr, welche Tracks auf eurem Label veröffentlicht werden?

Tatsächlich hat sich das Label mehr oder weniger von allein gegründet, da wir einfach schon eine große Gruppe von Produzenten und DJs innerhalb unserer Veranstalter-Crew waren. Als dann die Produktionen immer professioneller wurden, haben Christian und ich das Label offiziell gestartet und gemerkt, wie gut wir uns ergänzen. So hat er zum Beispiel Spaß daran, sich um alles Offizielle im Gewerbebetrieb zu kümmern, und ich fühle mich in der Rolle des A&R zu Hause, wobei ich neue Künstler ins Boot hole, Demos anhöre, mit unseren Künstlern an den Releases arbeite und schließlich die Qualitätskontrolle übernehme. Daneben betreibe ich noch unseren Inhouse-Mastering-Service „Sun Department Mastering“. Bei der Trackauswahl ist mir immer sehr wichtig, dass originelle Ideen vorhanden sind, die man ausbauen kann. Niemand braucht heutzutage noch einen Song, der genauso klingt wie 1000 andere der letzten Jahre. Ich möchte also gerne Charakter raushören. Dabei muss der Sound auch nicht immer einer geraden Linie bzw. einem Stil folgen – es darf also auch mal mehr oder weniger „psychedelic“ sein. In jedem Fall sollte der Track es schaffen Emotionen zu erzeugen oder zumindest zu transportieren – dann bin ich meist erst wirklich aufmerksam und kann auch auf die Qualität der Produktion achten.

Am SAE Institute hast du Audio-Engineering studiert und zusätzlich eine duale Ausbildung zum Akustiker gemacht. Inwiefern hilft dir deine fachliche Ausbildung bei der professionellen Produktion? Würdest du jungen Nachwuchsproduzenten eine Ausbildung in diesem Bereich empfehlen?

Das Studium an der SAE war in jedem Fall eine super Zeit, in der ich sehr viel Spannendes gelernt habe. Jeder, der sich für Musik und die technischen Zusammenhänge interessiert, kann dort wirklich eine Menge lernen, wenn er motiviert ist und sich Mühe gibt. Am Ende zielt die Ausbildung dort aber eher auf den klassischen Toningenieur ab, der Bands im Studio aufnimmt oder Konzerte betreut. Elektronische Musik wird da nur sehr kurz angerissen. Für das Produzieren von Psytrance war es dann am Ende aber nicht wirklich hilfreich, da hier doch viele Regeln auf den Kopf gestellt werden. Heutzutage gibt es schon Lehrgänge, die spezialisierter sind und sich dann wirklich auf den Bereich der elektronischen Musik konzentrieren.

Welches Studio-Equipment empfiehlst du bei diesem Meer aus Angeboten? Wurde dir im Rahmen deiner Ausbildung eine gute Auswahl an Hard- und Software präsentiert oder hast du dich selbst informiert und ausprobiert?

Ich habe während meines Bachelor-Studiums auf jeden Fall viel Hard- und Software kennengelernt und ein Grundwissen erhalten. Der Markt wächst aber so stark, dass wöchentlich neue Produkte kommen, die nicht selten die vorherigen in ihrer Relevanz ablösen. Es ist auf jeden Fall wichtig, darauf zu achten, das eigene Equipment gut aufeinander abzustimmen. So bringt es zum Beispiel wenig, sich Boxen für 2000 Euro zu kaufen, diese aber mit Kabeln vom Ein-Euro-Laden an eine „billige“ Soundkarte anzuschließen. Am Ende bestimmt das schwächste Glied in der Kette die Qualität. Ich selbst bin mit einer Abhöre von Genelec und meinem RME-Soundinterface seit Jahren sehr zufrieden und kann hier eine ausdrückliche Empfehlung aussprechen! Softwareseitig arbeite ich sehr gerne mit den Plugins von UAD, Waves und Fabfilter. Am besten sollte man durch Ausprobieren selbst herausfinden, was man gerne nutzt.

In deiner Musik hört man schnell, dass du keinen 08/15-Sound produzierst und Wert auf Vielfältigkeit legst.

Ich finde, Musik hört da auf, interessant zu sein, wo es an Innovation fehlt. Gerade im elektronischen Bereich ist natürlich die Möglichkeit gegeben, sehr funktionale Musik zu produzieren, die auf dem Dancefloor im Rausch gut ankommt, aber im Endeffekt wenig Kreativität besitzt. Ich setze mir immer das Ziel, Musik zu kreieren, die auch in nüchternem Zustand unterhaltsam ist. Das ist im Psytrance natürlich nicht so einfach und widerspricht manchmal ein bisschen dem „Trance-Gedanken“ unserer Szene, aber man kann es nun mal nicht immer jedem recht machen. Meinen Sound würde ich irgendwo zwischen Progressive- und Psytrance einordnen.

Seit Beginn deiner DJ-Karriere im Jahr 2010 beschäftigst du dich schon mit dem allgemeinen Themenbereich der Musik. Was waren die größten Lehren, die du durch deine Arbeit als selbstständiger Künstler und Labelmanager ziehen konntest?

Ich empfinde das Künstlerdasein allgemein als eine große Chance, viel über sich selbst und andere zu lernen. Man wird laufend mit Erfolgen und Misserfolgen konfrontiert und lernt, damit umzugehen, muss regelmäßig über seinen Schatten springen und eine Menge Geduld aufbringen. Ich find es immer wieder spannend, durch wie viele Höhen und Tiefen man wandert und welche unvorhersehbaren Wendungen so ein Werdegang mit sich bringt. Das Künstlerdasein ist wie eine Achterbahnfahrt. Die meisten Künstler werden auf die Frage „Was liebst du am meisten an deinem Job?“ etwas wie „Ich mache den ganzen Tag das, was ich gerne tue und verdiene damit auch noch Geld“ antworten. Mir sind inzwischen die Erfahrungen, die ich auf diesem Weg sammeln durfte, viel wichtiger geworden. Die Unterschiedlichkeit der Charaktere, auf die man trifft und mit denen man lernen muss umzugehen, aber auch die Hoffnungen und Träume sorgen in jedem Fall dafür, dass es immer spannend bleibt. In meiner Rolle als Label Manager ist es natürlich besonders toll, immer wieder brandneue Produktionen voller Kreativität zu hören, bevor sie für die breite Masse zurechtgeschneidert wurden. Eine bessere Position kann es für das Erleben einzigartiger Musik kaum noch geben! Außerdem finde ich es klasse mein Wissen weiter zu geben und zu beobachten, wie die eigenen Künstler ihre Entwicklung durchlaufen und jedes Mal mit Fortschritten überraschen!

Bist du mit dem bisherigen Verlauf deiner Karriere zufrieden?

Absolut! Ich habe viele meiner selbst gesetzten Meilensteine erreicht und nichts ausgelassen. Natürlich hofft man am Anfang immer, dass der große Durchbruch möglichst schnell und spektakulär kommt. Dabei verliert man aber leicht aus den Augen, was das bedeutet: Man ist zu früh viel zu großem Druck ausgesetzt, überspringt viele kleine Erfolge, die einem am Anfang ja als groß vorkommen, und langweilt sich schnell, weil es kaum noch etwas zu erreichen gibt. Ich denke, da verliert man so einiges an schönen Momenten, Spaß an der Musik und Selbstfindung und wird schnell zu einer medienorientierten Kunstfigur ohne authentisches Profil.


SoundCloud: https://soundcloud.com/chrizzlix
Spotify: https://open.spotify.com/artist/26qnFcfMBZwQRs3N0uO5Z1?si=4JXpgXIxSe6pvLfDsDam7Q

Beitragsbild:  Jonas Albrecht

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